Historisches

Die ersten nachweislichen Erwähnungen von Goldschmieden in Weißenfels existieren im Bürgerbuch der Stadt Weißenfels. So finden wir die ersten Goldschmiede Melchior Bechmann (oder Bachmann), er erhielt am 25. Januar 1595 das Weißenfelser Bürgerrecht nach Zahlung von 2 Sch. 6 Gr. und Caspar Heideck von Naumburg,  er erhielt am 5. Mai 1612 das Weißenfelser Bürgerrecht zum ersten mal nach Zahlung von 2 Sch. 6 Gr.  Am 10. Januar 1627 erhielt er es zum zweiten Mal, „weil er sein voriges Bürgerrecht verzogen“(1), nach Zahlung von 5 fl.15 Gr. (2).

Der Name Heideck taucht in Naumburg mit der Berufsbezeichnung „Goldschmied“ des öfteren auf, so finden wir allein 6 Goldschmiede mit diesem Namen in „Bausteine zur Naumburger Sippenkunde“ von Friedrich Hoppe von 1938. Diese datieren alle nach 1612, so dass vermutet werden kann, dass o.g. Caspar Heideck Gründer dieser Familiendynastie war. Warum diese Linie in Weißenfels ausstarb oder nicht fortgeführt wurde, konnte ich noch nicht herausfinden. Ich vermute, dass die Messestadt Naumburg damals mehr Betätigungsmöglichkeiten für einen Goldschmied eröffnete und genannter Heideck zur damaligen Zeit nicht wissen konnte, dass aus dem Städtchen Weißenfels Jahrzehnte später eine sächsische Residenzstadt wurde. Ein weiterer Goldschmied in Weißenfels war Sebastian Ursinus, Goldarbeiter von Altenburg. Er erhielt am 12. Mai 1612 das Weißenfelser Bürgerrecht nach Zahlung von 2 Sch. 6 Gr. Weiter finden wir im Weißenfelser Bürgerbuch ein Goldschmied namens Thomas Kretschmar, der am 23. November 1677 nach Zahlung von 6 fl. das Weißenfelser Bürgerecht erhielt.

Aus dem Taufregister der Marienkirche zu Weißenfels erfahren wir, dass dem Goldschmied Melchior Bachmann am 14. November 1607 ein Kind (ohne Namensangabe) geboren wurde, dem Goldschmied Caspar Heideck am 20. Juli 1614 ein Sohn namens Christoff und dem Goldschmied Bastian Ursinus am 7. Juni 1614 eine Tochter namens Sabina. Alle bis jetzt genannten Goldschmiede existierten bei Innungsgründung der Goldschmiede in Weißenfels 1694 nicht mehr und wurden auch in den Schriftstücken, Akten und Entwürfen zu den Innungsartikeln ab 1680 nicht erwähnt. Erst mit Conrad Schönberger, er war der Sohn von Johann Schönberger, Organist zu Roda, und erhielt am 26. November 1656 nach Zahlung von 6 fl. das Weißenfelser Bürgerrecht, treffen wir  ein Goldschmied an, der entscheidenden Anteil an der Entstehung der Innung  hatte. Er wurde der 1. Obermeister selbiger und verstarb am 24. Juni 1699.

Im Jahre 1663 gab es in Weißenfels laut Aussage von Friedrich Gerhard in seiner „Geschichte von Weißenfels“(3) nur zwei Goldschmiede, ohne jedoch die Namen aufzuführen.

 

Die ersten Innungsartikel der Weißenfelser Goldschmiede von 1694.

Die dazugehörenden Vorarbeiten, Entwürfe und der Schriftverkehr zwischen den Goldschmieden,  dem  Rat  und  dem  Herzog  bzw. dem   Amt  begannen  im  Jahre   1680.

Mit den Innungen schufen sich die Handwerker Interessenvertretungen, die auf  die Festschreibung von Rechten und Privilegien zum Schutz nach innen (Kollegialität der Innungsmitglieder, besonders der Meister und Schaffung einer Hierarchie Lehrling - Geselle - Meister) und nach außen (Interessenvertretung gegenüber dem Rat und  dem Amt)  hinarbeiteten. Sie waren bedacht, sich ihre innere Verfassung (Innungsartikel) nicht zu sehr vom Rat und dem Amt bestimmen zu lassen. Aus dieser Konstellation musste sich ein Interessenkonflikt ergeben. Beispiele finden wir dazu in den nachfolgenden Ausführungen, von den Entwürfen bis zu den letztlich bestätigten Innungsartikeln.

Die in die Innung aufgenommenen Goldschmiede erwarteten, dass ihr Einkommen durch Begrenzung der Konkurrenz und den damit ausreichenden Absatz ihrer Erzeugnisse gesichert wurde und sie Schutz vom Rat erwarten konnten.

Außer der Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen ihrer Mitglieder nach außen waren die Aufgaben der Innungen auf das innere Leben (zur Haltung guter Ordnung) ausgerichtet. Das betraf das Verhalten der Mitglieder untereinander, die soziale Fürsorge zum Beispiel für Witwen und bei Begräbnissen. In Weißenfels kam es vor, dass Goldschmiede dem Rat der Stadt angehörten, Kirchenvorsteher, geheime Kämmerer, Schöffen oder Viertelmeister stellten. Beispiele dafür, dass Goldschmiede mit zu den angesehenen Bürgern  von Weißenfels zählten.

In der bisher spärlich vorhandenen Literatur über die ersten Innungsartikel der Weißenfelser Goldschmiede wird immer fälschlicher Weise von 1684 als Gründungsjahr ausgegangen. So z.B. von Kurt Pötzsch (Silberschmied aus Weißenfels)  in seinem Artikel in der Zeitschrift „Mitteilungen des Reichsverbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede“, Berlin 15.10.1921. Dieser Fehler rührt von einem Vermerk auf der Vorderseite der Originalakte im Weißenfelser Stadtarchiv her, ohne das selbige genauer durchgearbeitet wurde. Mein Studium sämtlicher in Weißenfels vorhandener Akten und Schriftstücke die Goldschmiede betreffend und die Auffindung der Original-Innungsartikel, fein säuberlich auf Pergament geschrieben, stellt das Jahr 1694 als Gründungsjahr hiesiger Goldschmiede-Innung fest. Über zehn Jahre wurden dafür benötigt, bis schließlich die Innung von 4 Goldschmieden, Conradt Schönberger, Christian Babst, Hans Zacharias Finsinger und Johann Gottlob Bleymüller, gegründet und am 5.1.1694 vom Herzog bestätigt wurde. (Ergänzende Angaben über die Goldschmiede sind im Anhang aufgeführt.)

 

Die Innungsartikel von 1694 besaßen 21 Artikel.

Artikel 1 regelte die Bedingungen zum Erlangen des Meisterrechts. So wurden drei Wanderjahre und anschließend zwei Jahre Gesellenzeit in Weißenfels bei ein oder zwei Meistern verlangt. Goldschmiedesöhne und Gesellen, die Goldschmiedetöchter oder Goldschmiedewitwen  heirateten, erhielten Vergünstigungen dahingehend, dass sie nur zwei Jahre wandern und ein Jahr Gesellenzeit vor Ort absolvieren mussten., „ Ein Goldschmidts Sohn aber, soll an keine Zeit zuarbeiten verbunden seyn, aber doch zwey Jahr gewandert haben.“(4)

Artikel 2 besagt, dass bei Erfüllung der Voraussetzung zum Meisterwerden sich der Antragsteller beim Obermeister und „Beysitzer“ (Stellvertreter) melden sollte (der darauf das ganze Handwerk zusammen rief) und seine Lehr- und Geburtsbriefe sowie die Bescheinigungen der Wanderjahre  vorlegen musste.

„Nach Erfüllung der Bedingungen musste der Antragsteller in einer vom Obermeister zugewiesenen Werkstatt drei Meisterstücke fertigen, erstlich ein silbernes Trinkgeschirr, mit feinem Fuß und Deckel und dero hinten angehefteten Visierung, zum anderen ein Siegel mit Schild und Helm und feiner Helmdecke geschnitten. Zum dritten einen güldenen Ring, mit einem Kasten, darinnen ein edler Stein versetzet.“ Die Frist für diese Arbeiten betrug ein viertel Jahr. Bei Überziehung dieser Frist wurde für jede Woche ein Taler Strafe veranlagt. „Es soll ihm aber auch frey stehen, das Trink-Geschirr, wenn es aufgezogen, und aus dem Feuer zusammengebracht worden ist, glatt und unverzeichnet so wohl unvergültet aufzuweisen.“

Der 3. Artikel befasst sich mit der Begutachtung der zu fertigenden Meisterstücke. Von Amts – und Rechts wegen wurde 1 Person vom Amt bei der Beurteilung hinzu gebeten. Bei Bestehen musste der junge Meister 10 Gulden in die Lade legen. Für Goldschmiedesöhne oder einen, der eine Goldschmiedtochter oder Goldschmiedewitwe heiratete, betrug die Gebühr fünf Gulden. Danach durfte er einen Goldschmiedladen mit max. 5 Gesellen und Lehrlingen eröffnen und musste ein Meisteressen ausrichten. Bei Nichtbestehen der Meisterprüfung konnte der Geselle nach einem Jahr sein Vorhaben wiederholen.                                                                        

Der 4. Artikel erklärte, dass ein Meister nur ehrbare Jungfrauen oder Witwen heiraten durfte. Bei Zuwiderhandlung hatte der Obermeister das Recht, den Goldschmiedeladen zu schließen.

Der 5. Artikel besagte, dass alle viertel Jahre Versammlungen abgehalten werden mussten und alle zwei Jahre ein neuer Obermeister gewählt werden sollte, der dem Stadtrat zur Bestätigung vorgestellt wurde. Weiterhin beinhaltete dieser Artikel die Pflichten des Obermeisters. So sollte er in jeder Werkstatt Proben nehmen (d.h. die Metallgehalte bzw. Feingehalte prüfen) und danach das Stadtzeichen neben einem gewissen Buchstaben schlagen. Der Stempellohn für den Obermeister betrug zwei Pfennige von jeder Mark (also von einem Gewicht von 233,856 Gramm).

Der 6.  Artikel legte fest, dass die Goldschmiede für den Feingehalt selber verantwortlich waren, alle zu fertigenden Teile mit einem Gewicht über 4 Lot (5) jedoch vom Obermeister zeichnen lassen mussten. Die Strafe für ein Vergehen (Nichteinhaltung des Feingehaltes) betrug einen Gulden für den Rat und einen Gulden für die Lade. Der Obermeister musste das verfertigte Stück zerschlagen. Bei Einspruch des Goldschmieds gegen das Urteil des  Obermeisters  sollte  die Innungsversammlung  darüber  entscheiden.  Falls  danach immer noch Unstimmigkeiten vorhanden waren, musste diese Angelegenheit beim Gericht in Leipzig vorstellig gemacht werden. Bei letzterem Verfahrensweg war vom Goldschmied zuzüglich der Gerichtskosten noch eine Strafe von zehn Gulden zu zahlen.

Der 7. Artikel benannte das Recht des Obermeisters, wöchentlich in den Goldschmiede – Werkstätten das Silber zu prüfen. Bei Verstößen bei Unterlegierungen hatte der Goldschmied vier Groschen Strafe in die Lade zu geben. Unterließ der Obermeister die mindestens quartalsmäßige Prüfung, musste er ebenfalls vier Groschen Strafe zahlen. Dieser Artikel ist aber auch in anderer Hinsicht interessant. Er besagte weiter, dass der Goldschmied Altmaterial von unterschiedlichen Feingehalten im Beisein des Auftraggebers untereinander zu verschmelzen hatte und auf dessen Begehren ihm ein Stück des zusammengeschmolzenen Materials abzuhauen hatte. Mit seinem Zeichen und Namen versehen, musste es ihm aushändigt werden. Desgleichen hatte der Goldschmied das Recht, ein Stück bis zur Vollendung des Stückes zurückzuhalten, damit zum Schluss die Proben mit dem verfertigten Stück miteinander verglichen werden konnten.

Der 8. Artikel gab dem Obermeisters das Recht, bei seinen Werkstattbesuchen auch das Gold zu prüfen. Falls es „solch Gold zum Reinischen Golde zu gering wäre, da sollen sie Macht haben, solche Arbeit nicht allein zu zerschlagen, sondern auch zu ihren Händen zunehmen, und ein ganzes Handwerk nach Befindung der Strafe darüber erkennen zu lassen ...“ Des weiteren war den Goldschmieden untersagt, falsche Steine, Dubletten und Glas als echte Steine zu verkaufen oder Messingwaren zu vergolden und als echt zu verkaufen.                                                                       

Der 9. Artikel gestattete den Goldschmieden, Schmuckstücke und dergleichen von Juwelieren und anderen Leuten einzubehalten und den Gerichten zu übergeben, wenn diese Schmuckstücke mit falschen Steinen als echte Steine anboten. Von dem so eingezogenen Material erhielt der Goldschmied 1/3 Teil. Weiter verbot er Juwelieren, sich hier in Weißenfels niederzulassen, außer, der Juwelier hatte das Goldschmiedhandwerk redlich erlernt, die Wanderjahre absolviert und seine Jahre bei einem Juwelier ausgestanden.

Der 10. Artikel beschrieb die Vorgehensweise und Rechte der Goldschmiede, wenn ihnen gefälschte Münzen vorgelegt wurden. Diese Münzen waren dem Amte zu überführen und zu lochen, oder durch einen Hieb mit dem Schrotmeißel auf die gefälschte Münze zu markieren. Der Rat sicherte den Goldschmieden Schutz bei dergleichen Handlungen zu.

Der 11. Artikel verbot den Goldschmieden, verdächtige Waren aufzukaufen; u.a. Gegenstände, auf denen das fürstliche Wappen gestochen (graviert) war oder Gegenstände, die aus Kirchen stammen könnten. Weiter war darin aufgeführt, wie mit Gegenständen zu verfahren sei, die als „verlohren Gut“ (Fundsachen) galten. So heißt es „Auf solche und andere dergleichen zweiffelhafte Fälle, soll ein jeder Goldtschmidt dem es vorkäme im Amte und beim Rathe es anmelden und übergeben, auch darauf fernere Verordnung erwartten.

Der 12. Artikel erkannte die Goldschmiede in ihrer Stellung als einzige an, die Gold und Silber aufkaufen durften, dabei aber das Gold einem jeden nach „rechtem Werthe zubezahlen und soll hinführo Niemand anders befugt seyn, etwas dergleichen auffzukauffen, als gedachte Goldschmiede ... Jeder Goldschmied sollte aber nur soviel aufkaufen, wie er selber verarbeiten konnte. Bei Zuwiderhandlungen drohte ihm ein Gulden Strafe.

Der 13. Artikel befasste sich mit der Lehrlingsausbildung.                                                        

Die Lehrzeit betrug sechs Jahre, nach dem ersten viertel Jahr, der Probezeit, sollte der Lehrling der ganzen Innung vorstellig gemacht werden. Vor Lehrbeginn musste der Lehrjunge einen Geburtsbrief vorlegen, der während der ganzen Lehrzeit in der Lade hinterlegt werden musste. Die Lehrzeit konnte mit Einwilligung beider Seiten auf vier Jahre verkürzt werden, das Lehrgeld war aber in voller Höhe zu zahlen. Falls der Lehrjunge aus der Lehre entlief, wurde er seiner bereits absolvierten Lehrjahre verlustig. Dem Lehrherrn war es untersagt, den Lehrjungen „wider die Billigkeit und ungebührlichen Schlägen (zu, d.A.) beschwehren, ...“ und ihn mit Aufgaben zu versehen, die nicht unbedingt zur Erlernung der Goldschmiedekunst beitrugen.

So erfahren wir aus der Akte „Acta Christoph Jacobi gegen Conradt Schönberger Weil erstern letzteren aus der Lehre entlaufen, Ergangen: Ao: 1689“, dass doch Hausarbeit von den Lehrlingen zu verrichten war. Es beschwert sich der Vater des Lehrlings Jacobi, dass man ihm„ ... zugetragen, dass nicht allein mein Sohn bey diesem Conrad Schönbergen, welcher es mit einigen Collegio niemahls gehalten, auch bis dato seine Lehrbrieffe nicht aufgezeiget, zu keiner aufdingung, ungeachtet er viel fältig erinnert worden, Gelangen können, sondern Er Schönberg  hat auch den Knaben zu aller Häußlichen arbeit und Wartung derer Pferde angehalten, Hingegen aber am aller wenigsten Zuerlernung der Kunst und des Handwergks angeführet dahero dieser, dass er nichts lernete, auch nicht aufgedungen würde, sich gegen mir beschweret, und endlich bey nicht erfolgter Besserung und änderung, und dazumal Schönberg, vermöge geständnüß fol.1. ihn geschlagen auch fortzugehen geheißen,...“ An einer anderen Stelle in selbiger Akte steht“... ist mehr alzu wahr, dass mein Sohn bey Schönbergen nichts gelernet, in den ...notorisch dass er nichts als nur silberne Knöpfe verfertiget, und hat er ... viel arbeit, so von Ew. Hochfürstl. Durchl. Hoffe, ihm zugeschicket worden, auch nur jüngst, hin des Raths Schenkens Stieftochter welche eine silberne Schlüssel Kette machen wollen lassen, abgewiesen, und darbey gesaget, dass er dergleichen arbeit nicht verferttigen könnte,...“ Die Gebühr für das Ausstellen und Siegeln des Gesellenbriefes betrug 12 Groschen.

Der Artikel 14 verbot den Gesellen das Wechseln von einem Goldschmiedemeister zum anderen in einer Stadt, bevor er nicht ein viertel Jahr außerhalb der Stadt gearbeitet hatte.

Der 15. Artikel verpflichtete den Obermeister zur Durchführung von Innungs- versammlungen mindestens einmal im Vierteljahr. Am Jahresende war Rechenschaft über Einnahmen und Ausgaben abzulegen. Der Mitgliedsbeitrag betrug vierteljährlich drei Groschen pro Innungsmitglied.

Weiterhin wurden die Goldschmiede bei Strafe von vier Groschen dazu verpflichtet, bei Begräbnissen von Berufskollegen und deren Familienangehörigen anwesend zu sein.

Der 16. Artikel regelte den Verlauf der Innungsversammlungen. „..., so soll ein jeder Goldschmiedt auf die bestimmte Stunde gehorsamlich zu erscheinen schuldig seyn, hatt aber einer Ehehaft, so soll es um Erlaubniß bitten, oder zween Groschen in die Lade zur Strafe erlegen.“

Obermeister und Beisitzer (Stellvertreter) mussten eine Stunde vor Beginn erscheinen und waren verantwortlich für das Vorhandensein einer Stunduhr, Feder, Tinte, Papier und der Innungslade. Bei verspätetem Erscheinen war ein jeder Goldschmied zur Zahlung von einem Groschen Strafe verpflichtet.                    

Der 17. Artikel forderte von den Goldschmieden unbedingten Gehorsam gegenüber den Obermeistern, die wiederum Recht und Macht dazu hatten, den Laden eines Goldschmieds bei groben Verstößen gegen die Ordnung und Innungsartikel zu schließen, die Gesellen abzuschaffen und ihn aus der Innung zu entlassen.

Der 18. Artikel ist dadurch bemerkenswert, da der Herzog befahl, dass sich alle in seinem Herrschaftsgebiet wohnenden Goldschmiede „so nicht ihrer absonderlichen Innung bereits haben, oder  noch erlangen werden, sich in diese weißenfelsirische Innung zu begeben schuldig seyn, danach sich ein jeder zurichten und zuachten hat!“

Der 19. Artikel vermahnte die Goldschmiede, für ihre Arbeit einen angemessenen Machelohn zu nehmen. 

Der 20. Artikel regelte die Zahlung der Innung von 18 Groschen jährlich an das Amt und den Rat sowie der Abgabe von einem Pfund Wachs an die Kirche.

Der 21. Artikel vermahnt die Obermeister, vorhergehende Innungsartikel bei jeder Versammlung den Goldschmieden vorzulesen. Weiterhin beinhaltet er die Möglichkeit des Herzogs, bei Bedarf Änderung an den Innungsartikeln vorzunehmen. Die Innungsartikel schließen mit den Worten „Uns und Unsern Nachkommen an Unsern Landes Fürstlichen hohen Obrigkeiten, Gerichten und Gerechtigkeiten unabbrüchlich, auch denen so etwas hierwieder absonderlich priviligiret oder ein anderes beständig und über Rechts Verwehrte Zeit hergebracht, unnachtheilig, und mit Vorbehalt Vorstehende Articul nach Gelegenheit künfftiger Zeiten und Lauff oder anderer Umbständte. Zuvermehren, zu vermindern, gänzlich oder zum Theil abzuschaffen und andere neue zusetzen. Treulich sonder Gefehrde.

Zu Uhrkund haben wir Uns eigenhändig unterschrieben, und unser Großes Insiegel wissentlich anhangen lassen. So Geschehen und Geben auf Unserm Residenz Schloße Neu Augustusburg zu Weißenfels, den 5.ten January, Nach Unsers lieben Herrn, Erlösers und Seeligmachers Geburth, Im Sechshundert Vier und Neünzigsten Jahre.“

 

(1) Bürgerbuch der Stadt Weißenfels von 1558-1852, Verlag Degener & Co, 1978, Seite 22 u.28

(2) fl. – Gulden; Gr. Groschen       

(3) Gerhardt, Friedrich, Die Geschichte von Weißenfels a. S. mit neuen Beiträgen zur Geschichte des Herzogtums

      Sachsen-Weißenfels, Weißenfels 1907, Seite 203

(4)  vergl.: Stadtarchiv Weißenfels, Akte A I 1399; Transkript: Fischer, Jens, Herzogtum Sachsen-Weißenfels

      Goldschmiede - Innung zu Weißenfels  Innungsartikel von 1694, Selbstverlag, 1997

(5)  ich vermute bei vorliegender Maßeinheit die Kölner Silbermark mit folgender Unterteilung: 1 Mark=

       4 Vierdung=8 Unzen=16 Lot=32 Setin= 64 Quentchen = 233,856 Gramm; also entsprechen 4 Lot

       einem   Gewicht von 58,464 Gramm

(6) Handwerk, Beruf, Gewerbe, Geschäft

(7) bestätigen

(8) vergl.: Stadtarchiv Weißenfels, Akte A I 1399; Transkript: Fischer, Jens, Herzogtum Sachsen-Weißenfels

     Goldschmiede – Innung zu Weißenfels Innungsartikel von 1694, Selbstverlag, 1997, ohne Seitenangaben